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It's the little things...

Über die Bedeutung der ganz kleinen Dinge an eurem ganz großen Tag.

Wie man „richtig“ heiratet ist doch eigentlich klar. Antrag machen, „Ja“ sagen, Termin koordinieren, Ringe aussuchen, Einladungen verschicken, Kleid kaufen, ggf. die ein oder andere Hochzeitsmesse besuchen, nochmal „Ja“ sagen, feiern und zu guter Letzt die Sache mit der Türschwelle. Hört sich doch ganz einfach an, oder? Leider falsch gedacht. Auch der größte Pragmatist wird im Laufe der Hochzeitsvorbereitungen feststellen, dass so ein Event mit einigen Anstrengungen verbunden ist und es wirklich schade wäre, wenn man auf die ein oder andere Kleinigkeit nicht geachtet hätte. Was meine ich damit? Vorab und ganz grundsätzlich gilt: dein Tag, deine Hochzeit. Egal ob klassisch, Boho, groß oder intim; egal ob Torte, Hochzeitstanz oder Paar-Spiele. Wie ihr eure Hochzeit gestaltet und welchen Rahmen ihr dafür schafft, obliegt zu einhundert Prozent eurem Gusto. Dennoch ist die Hochzeit, wie wir sie vom westlichen Fleckchen Erde kennen, Teil unserer Kultur und damit auch unserer Identität. Und somit merkt man eben schnell, dass es Dinge gibt, die mit Geschmack und Gusto nicht ganz so viel gemein haben, sondern als allgemein gültige Standards zur guten Etiquette einer jeden Hochzeit gehören.

Ich als Hochzeitsfotografin begleite seit über 5 Jahren Paare an ihrem großen Tag. Bis heute kann ich mir keine bessere Tätigkeit vorstellen. Jede Hochzeit war dabei ein ganz besonderes und wirklich einzigartiges Erlebnis. Dennoch gibt es einige Dinge, die ich auf 90% aller Hochzeiten entdecke und die besonders auf den bleibenden Fotos auffallen. „It’s the little things“ über die man sich, im Gegenteil zu Geschmacksfragen, aus meiner Sicht nicht streiten kann.

1. Save-the-Date Karten

Viele Paare versenden sogenannte Save-the-Date Karten, um ihre Gäste über den entsprechenden Tag der Hochzeit zu informieren. Eine Save-the-Date Karte ist keine Einladung, hat aber selbstverständlich genau die gleiche Ambition: „Hurra, wir heiraten, sei dabei und halte dir dafür doch jetzt schonmal Datum XY frei!“. Ich als Empfänger einer solchen Nachricht freue mich natürlich in erster Linie. Auch wenn es sich hier um (noch) keine offizielle Einladung handelt empfiehlt es sich, dem Paar zu seiner Entscheidung zu gratulieren und es ebenso zu informieren, falls der Tag termintechnisch überhaupt nicht funktioniert. Das bringt diverse Vorteile mit sich:

Szenario 1 – die Nachrücker: Das Paar kann nur eine begrenzte Anzahl an Gästen platzieren. Durch die Absage hat es die Möglichkeit, alternative Gäste einzuladen, die ursprünglich schweren Herzens von der Liste gestrichen werden mussten. Ihr macht somit also den Weg frei für andere Herzensmenschen.

Szenario 2 – Terminverschiebung: Für mich gibt es tatsächlich Menschen, die auf meiner Hochzeit einfach nicht fehlen dürfen. Dazu zählt der engste Familienkreis, die Trauzeugen, etc. Sollten diese Personen an meiner Hochzeit nicht teilnehmen können oder schlimmer – der Großteil meiner Gäste nicht in der Lage sein zu kommen, habe ich die Möglichkeit, mir Gedanken über eine Terminverschiebung zu machen. Erhalte ich diese Info erst, wenn ich die offiziellen Einladungen versende, ist das Termin-Kind in der Regel schon in den Brunnen gefallen.

Save The Date Karten sowie kleinere Papeterie Produkte sollten nicht vergessen werden

2. Ringe

Das wahrscheinlich Beständigste in einer Ehe: die Ringe. Oft werden diese sogar vererbt und dürfen bei Kindern oder Enkeln als Erbstück weiterleben. Viel wichtiger – in meinen Augen – als beispielsweise das Brautkleid, sind daher die Ringe. Wie diese aussehen sollen ist natürlich jedem selbst überlassen. Worauf man hier aber achten sollte und wieso es ratsam ist, schon im Vorfeld mal zu fühlen, was sich sein*e Partner*in vorstellt, erläutere ich in diesem Abschnitt.

Es gibt eine Vielzahl an konfigurierbaren Möglichkeiten, wenn es um die Hochzeitsringe geht. Auch die Preisspanne beginnt bei „zahle ich locker vom nächsten Bonus“ bis hin zu „wir brauchen ganz schnell Sauerstoff !“ Der Satz „Diamonds are a girl’s best friend“ ist mit Sicherheit nicht falsch, jedoch gibt es hier markante Unterschiede, die besonders der Heiratsantrags-Steller kennen sollte. Viele Frauen nutzen den Verlobungsring als sogenannten Vorsteckring. Sie tragen diesen also zusammen mit ihrem späteren Ehering. Dementsprechend ist es also wichtig, dass die beiden Schmuckstücke bestmöglich harmonieren. Will sagen: hat die Dame genau diese Vorliebe, ist es ratsam diese im Vorfeld zu erfragen, sodass Verlobungsring und Ehering optimalerweise aus dem gleichen Material sind. Silber und Gold dürfen zwar modetechnisch mittlerweile kombiniert werden, jedoch machen sich zwei farblich unterschiedliche Ringe einfach nicht schön am Finger – und erst recht nicht auf unseren Hochzeitsfotos(!!!). Ein Tipp von mir: Es müssen heutzutage keine echten Diamanten mehr sein. Sogenannte „Lab grown diamonds“ kosten mitunter 30-50% weniger als echte Diamanten und sind in ihrer Beschaffenheit und Qualität nahezu identisch zu echten. Selbst Profis können den Unterschied in der Regel nicht sofort sehen.

3. Knöpfe und Blümchen

Tja, was soll ich sagen. Bei dieser Überschrift würde man wohl am wenigsten an das Thema Hochzeit denken. Jedoch sind es genau diese Dinge, die die meisten Fehler provozieren und somit auch die Hochzeitsfotos negativ beeinträchtigen können. Fangen wir mal mit den Blümchen an. Bis heute gilt die „Boutonniére“ als klassischstes Accessoire für Bräutigamme. Abgestimmt auf die Farben und den Stil des Brautstraußes wird die Boutonniere am linken Revers des Jacketts befestigt. Wichtig dabei ist, dass dies auf Höhe bzw. im Knopfloch des Kragens statt findet. Nicht darunter, nicht darüber. Oft haben Anzüge auch eine kleine Schlaufe für dieses Accessoire. Wenn nicht, kann man jene problemlos vom Schneider (oder einer begabten (Schwieger-)Mutter) annähen lassen. Auch magnetische Möglichkeiten können helfen, jedoch sollten diese im Vorfeld auf Herz und Nieren getestet werden, sodass sie bei ihrem großen Auftritt auch einen guten Job machen. Ein zusätzliches Einstecktuch? Kein Problem, solange sich die Farben mit denen der Boutonnière nicht beissen. Hat man den Wunsch, sämtliche männliche Gäste mit diesem Accessoire auszustatten, sorgt das für angenehme optische Einheitlichkeit. Hier bitte nur darauf achten, dass die Blümchen in ihrer Prominenz ein wenig zurückhaltender sind als die des Bräutigams.

Ansteckblumen und Knöpfe beim Bräutigam snd kleine aber dennoch wichtige Details bei einer Hochzeit

Das Thema Knöpfe ist mir ein ganz besonders wichtiges. Nennt mich spießig und altmodisch, aber diese Information sollte jeder Vater seinem Sohn mitgeben; spätestens auf dem Abschlussball kann man mit diesem Wissen als junger Mann nämlich heller glänzen, als jede Sportfelge. Egal ob Bräutigam oder Gast und egal ob Blazer, Sakko oder Jackett (wo wir wieder bei dem Punkt „macht was ihr wollt“ wären)

– wählt man beispielsweise ein Zwei-Knopf Sakko tut euch und eurer/eurem Fotograf*in den Gefallen und lasst den unteren Knopf auf ! Den oberen Knopf dürft ihr öffnen, sobald ihr Platz nehmt. Glaubt mir, dass ihr hier schon alle erdenklichen Varianten gesehen habe – beide Knöpfe auf, beide Knöpfe zu, nur der untere geschlossen (was ich dennoch als besonders kreativ erachtet habe)

– wählt man ein Drei-Knopf-Sakko, schließt ihr die beiden oberen Knöpfe. Es sei denn, ihr tragt ein rollendes Revers; hier wird ausschließlich der mittlere Knopf geschlossen, da der obere nur proforma vorhanden ist. – wählt man zusätzlich eine Weste, werden alle Knöpfe bis auf den unterstengeschlossen.

Die weiteren Möglichkeiten (beispielsweise jene des Zwei-Reihers) erspare ich euch an dieser Stelle. Zusammenfassend aber die Bitte: falls ihr euch nicht sicher seid, fragt euren Herrenausstatter um Hilfe oder googlet. Es gibt m.E keine andere Etiquette, mit der ihr so subtil aber dennoch prominent eure Stilsicherheit ausdrücken könnt.

Gerade bei der Auswahl von Hochzeitskleidern und Sakkos ist meist jedes noch so kleine Detail wichtig

4. Kleiderordnung

Auch hier habe ich schon alles gesehen – White Weddings, Hochzeit in Turnschuhen, Trachten, Uniformen, etc.pp. Alles super, solange sich das Paar mit diesen „Themenhochzeiten“ wohlfühlt. Sollte man als Gast keine konkreten Informationen zum Dresscode erhalten, kann man sich an folgenden Dingen orientieren:

– Weiß als No-Go. Weiß gilt auf einer Hochzeit als Farbe der Unschuld und ist somit der Braut vorbehalten. Über tiefe Blush- oder Cremetöne kann man sich mit Sicherheit streiten, aber auf das reine Weiß, wie es die Braut klassischerweise trägt, sollte man als Gast verzichten. Anders ist es natürlich im Falle einer „White Wedding“, wie man sie oft in maritimen Gegenden erlebt. Dieser Dresscode wird dann aber ausdrücklich bekannt gegeben und darf problemlos gewählt werden.

– Schwarz als No-Go. Die Farbe Schwarz verbinden wir mit Trauer. Da eine Hochzeit kein Anlass zur Trauer sein sollte, ist man als Gast gut beraten, auch auf diese Farbe zu verzichten.

Um ehrlich zu sein waren das auch schon die wichtigsten „Kleiderordnungstipps“, die ich euch mit auf den Weg geben kann. Zusammenfassend gilt die Richtlinie: fühl dich wohl, aber lass die Braut strahlen. Dein Outfit soll dich nicht nur feierlich aussehen lassen, sondern zeugt auch von Respekt dem Paar gegenüber. Auf knallige Farben oder Karohemden (mein persönlicher geheimer Albtraum) würde ich daher gänzlich verzichten – auch auf den Fotos macht sich ein festliches und einheitliches Erscheinungsbild immer besser. Mein Tipp: Sollte euch das als Paar besonders am Herzen liegen, kreiert doch einfach ein kleines „Lookbook“, in dem ihr euren Gästen Farben und mögliche Outfits als Inspiration und Orientierung mit auf den Weg gebt.

Wer wo genau sitzt bei der standesamtlichen Trauung ist eine oft gestellte Frage und sollte im Vorraus geklärt werden

5. Sitzordnung Standesamt

Der letzte Tipp soll sich um das Thema Sitzordnung im Standesamt drehen. Selbstverständlich ist dem Standesbeamten egal, wer auf welcher Seite sitzt. Was am Ende zählt, ist eure Unterschrift. Dennoch wird mir oft in letzter Sekunde die Frage gestellt, wer denn jetzt wo sitzen soll. Wenn ihr es genau wissen möchtet orientiert euch doch am besten an folgender Aufstellung: stellt euch vor, ihr seid der Standesbeamte und sitzt dem Brautpaar gegenüber – dann schaut ihr zu eurer Linken auf die Braut und zu eurer Rechten auf den Bräutigam. Im Falle einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit fällt diese Orientierung natürlich gänzlich weg – dann seid ihr jedoch gut beraten, euch diese Frage einmal im Vorfeld zu beantworten, um eure*n*r Partner*in eure Schokoladenseite zu zeigen.

Selbstverständlich ist das Thema „Hochzeitsknigge“ damit nicht abgeschlossen. Ich habe mich an dieser Stelle jedoch mit den prägnantesten Erfahrungen beschäftigt, die ich im Rahmen meiner Fotografentätigkeit über die vergangenen Jahre gesammelt habe. Ich hoffe, dass euch dieses kleine „How to marry“ geholfen hat und ihr auf euren Hochzeitsfotos zusammen mit euren Gästen in jeder Hinsicht strahlen könnt!

»Zum Profil von: Lichtbilder Hochzeiten


 

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